Zur Geschichte des Wolfenbütteler Schlosses

Die ursprüngliche Wasserburg erhielt erst im 18. Jahrhundert ihr heutiges Aussehen und ist nach dem Leineschloß in Hannover der größte erhaltene Schloßbau Niedersachsens, der durch viele Um- und Anbauten ständig verändert wurde. Der Herzogliche Baumeister Paul Francke errichtete 1614 den charakteristischen Renaissanceturm, Hermann Korb blendete dem alten Burgschloß um 1715 die barocke Fachwerkfassade vor mit dem repräsentativen Stein-Portal und den das Fürstenhaus verherrlichenden Plastiken. Der Besucher sieht beim Betreten des Schlosses das Monogramm des herzoglichen Bauherrn August Wilhelm und seinen mahnenden Wahlspruch: Parta tueri - Erworbenes erhalten. Die barocken plastischen Figuren an der Brüstung und auf der Brücke schuf der aus Tirol stammende Künstler Franz Finck; sie sollen in allegorischer Form die Tugenden und Pflichten eines Landesfürsten versinnbildlichen.

Der Innenhof wird von Arkaden bestimmt, die 1643 errichtet wurden. Über ein Treppenhaus gelangt man in die musealen Schloßräume, die dem prachtliebenden Herzog Anton UIrich als Wohnung dienten. Man geht durch Säle der Barockzeit mit kostbaren Intarsienwänden, schweren Stuckdecken und Wandmalereien und gewinnt einen Überblick über die fürstliche Hofkultur einer alten Residenz. Die Dauerausstellung "Zeiträume - ein Gang durch die Geschichte Wolfenbüttels" vermittelt anhand von seltenen und wertvollen Ausstellungsobjekten die Geschichte, Kunst und Kultur der Stadt Wolfenbüttel und ihres bäuerlichen Umlandes.

Bereits unter Herzog Heinrich Julius (reg. 1589 bis 1613) war durch eine Truppe englischer Berufsschauspieler ein regelmäßig spielendes Theater eingerichtet worden, das Wolfenbüttel den Ruf einbrachte, Begründerin des deutschen Theaters zu sein. Die um das Schloß liegende "Siedlung auf dem Damm" wurde bereits Anfang des 16. Jahrhunderts stark befestigt und zählte im 17. Jahrhundert mit den neuentstandenen Stadtteilen zu den stärksten Festungen Norddeutschlands. Ursprünglich dicht bebaut, wurde der Schloßplatz von Herzog August d. J. (reg. 1634 bis 1666) zu einer repräsentativen Anlage umgestaltet.